Wie Ziele und der freie Wille über unser Leben entscheiden

26. Juni 2015 – 22:57

Gerade habe ich das neue Buch von Joachim Bauer (3) fertig gelesen: „Buch: Selbst Steuerung von Joachim Baur„. Es belegt in eindrucksvoller Weise, dass wir einen freien Willen haben – wenn wir ihn benutzen. Nach dem Motto „Use it or lose it“ (benutze es oder verliere es), formt sich das Gehirn ständig selbst(gemäß der „Neuroplastizität„). Und Anteile, die Brach liegen, verkümmern und lassen uns in diesem Bereich sozusagen „altern“ – also weniger fit werden. Denn wir können nicht mehr so flexibel reagieren, wenn wir es nicht üben. Jeder kennt das vom Kopfrechnen. Oder wann hast Du schon mal nachgerechnet, ob im Restaurant tatsächlich die Addition stimmt? Sich Ziele im Leben zu setzen – jeden Tag, jede Woche, jedes Jahr – formt unser Gehirn. Durch deren Erreichung werden wir belohnt. Dieses Gefühl zu leben kann nichts ersetzen. Trotzdem ziehen wir alle gelegentlich Ersatzbefriedigungen vor, die eben direkt und kurzfristig erreichbar sind, wie ungesunde Nahrungsmittel, Tabak, Alkohol, keine Bewegung oder Dehnungen und letztlich das Nachgeben gegenüber unserem „inneren Schweinehund“. Wie leicht diese „alternativlosen“ Kausalketten zu durchbrechen sind, mit einfachen neurologischen Tricks, zeigt Joachim Bauer in seinem Buch.

Wirklich erstaunlich fand ich eine Studie von Ellen Langer. Joachim Bauer schreibt:

Die US-amerikanische Psychologin Ellen Langer fand im Rahmen einer Untersuchung, dass betagte Altenheimbewohner innerhalb weniger Wochen eine Verbesserung ihrer geistigen Frische, ihres Befindens und ihres körperlichen Allgemeinzustandes erleben, wenn man ihnen zunächst in freundlicher Weise deutlich macht, dass selbstgesteuerte Aktivitäten ihnen guttun würden, und wenn man sie dann einen Teil ihrer Tagesplanung selbst gestalten lässt und ihnen zudem die Fürsorge für eine Pflanze überträgt 1). Wenn Ellen Langer in Altenheimen wohnende Betagte in dieser Weise über einen längeren Zeitraum aktivierte, dann zeigten Senioren, die ihren Tagesablauf wieder ein Stück weit selbst gestalteten und für eine Pflanze sorgten, im Vergleich zu einer Gruppe nicht aktivierter Altersgenossen nach 18 Monaten ein nicht nur deutlich verbessertes subjektives Befinden, einen signifikant besseren gesundheitlichen Gesamtzustand und ein höheres Maß an Aktivität. Die Mortalität der behutsam aktivierten Altenheimbewohner war nach 18 Monaten mit 15 Prozent gegenüber der Vergleichsgruppe, bei der 30 Prozent verstorben waren, um die Hälfte vermindert 1). In weiteren Studien konnte Ellen Langer zeigen, dass auch Übungen in Form von Achtsamkeitsmeditation die geistige Gesundheit und körperliche Fitness alter Menschen zu stärken vermögen 2).

Für gutes Training für unser wichtigstes Organ – das Gehirn – kann ich an dieser Stelle z.B. Neuronation – das Gehirn-Training für neuronale Fitness empfehlen. Oder einfach damit anfangen kleine Ziele an sich selbst im Alltag zu stellen. Wie z.B die Restaurant-Rechnung nachvollziehen. Oder eine Pflanze Pflegen.

Quellen:

  1. Langer und Rodin (1976) (abgerufen am 26. Juni 2015)
  2. Alexander, C. et al.: Transcendental Meditation, Mindfulnees, and Longevity: An Experimental Study with the Elderly. Journal of Personality and Social Psychology 57: 950-964 (1989)
  3. Selbststeuerung: die Wiederentdeckung des freien Willens
  4. Netzseite von Joachim Baur
  1. 3 Kommentare zu “Wie Ziele und der freie Wille über unser Leben entscheiden”

  2. Ein sehr spannender Beitrag. Er zeigt wieder einmal, dass Körper, Geist und Seele eine Einheit sind. Wenn wir wollen, dass es uns gut geht, wir gesund und voller Lebensenergie sind, so müssen wir alle 3 Bereiche beachten, d.h. a)unseren Körper immer wieder entgiften( um der Übersäuerung durch ungesunde Nahrung, Stress u.ä, entgegen zu wirken),b) dafür sorgen, dass wir genügend Entspannung haben, sodass Körper und Geist zur Ruhe kommen können(z.B. durch Yoga o.ä.) und uns c)Ziele im Leben setzen von klein bis groß, die uns Perspektiven geben und Freude am Leben und „sich selbst finden“ vermitteln, sowie der Neurobiologe Joachim Bauer eindrucksvoll belegt.

    Von Prosperity zu 27.06.2015

  3. Der Artikel hat meine klinischen und praktischen Erfahrungen bestätigt und mein Wissen bereichert.Er hat mich ermutigt, auf meinem Weg weiterzumachen.Er ist kenntnisreich und vermittelt m. E. Inhalt und Absicht des Autors in beispielhafter Weise.
    Dr.Wolfgang Kuntze, Alzey

    Von Dr.Kuntze zu 22.07.2015

  4. Vielen Dank für diese lobenden Worte!!

    Von marianne zu 7.12.2016

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